{"id":9410,"date":"2023-02-22T14:11:18","date_gmt":"2023-02-22T13:11:18","guid":{"rendered":"https:\/\/react.p3group.de\/poi\/stifts-und-wallfahrtskirche-st-peter-und-paul-2\/"},"modified":"2023-02-22T14:11:18","modified_gmt":"2023-02-22T13:11:18","slug":"stifts-und-wallfahrtskirche-st-peter-und-paul-2","status":"publish","type":"poi","link":"https:\/\/react.p3group.de\/en\/kultur\/stifts-und-wallfahrtskirche-st-peter-und-paul-2\/","title":{"rendered":"Stifts- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul"},"content":{"rendered":"<p>Sp\u00e4testens 1277 gab es in Kranenburg eine Kirche. Um diese Zeit war der Ort noch sehr klein, mehr ein Dorf als eine Stadt, und seine Bewohner waren vorwiegend in der Landwirtschaft t\u00e4tig. Der schwere Boden in der Gegend eignete sich vor allem gut f\u00fcr Viehzucht \u2013 und so wundert es nicht, dass ein Kranenburger Schafhirten mit der Kreuzlegende verbunden ist.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Im Mittelalter war es nicht \u00fcblich, dass die Kirchenbesucher in jeder Messe die heilige Kommunion empfingen. Aber wenigstens einmal im Jahr sollte ein Christ an der Eucharistie teilnehmen. So nahm zu Ostern 1280 auch jener Schafhirte am Abendmahl in der Kranenburger Pfarrkirche teil, von dem wir nur wissen, dass er im Neuenhof wohnte, ungef\u00e4hr einen Kilometer s\u00fcd\u00f6stlich des St\u00e4dtchens. Nach dem Gottesdienst ging er wieder zu seinen Schafen, die am Rand des Reichswaldes weideten. Weil er die geweihte Hostie nicht herunterschlucken konnte, soll er auf einen Baum geklettert sein und die Kommunion in einer Astgabelung ausgespuckt haben. Bald aber wurde ihm bewusst, dass er auf diese Weise einen Sakramentsfrevel begangen und sich vers\u00fcndigt hatte. Mit gro\u00dfer Reue im Herzen eilte er zum Pastor, von dem er die Hostie empfangen hatte, und beichtete ihm seine Tat. Sie eilten gemeinsam zu dem Baum, um die Hostie zu bergen. Doch hierbei rutschte sie in ein Astloch und fiel in den Baum hinein. Da kletterte der Priester ersch\u00fcttert vom Baum herab, fiel auf die Knie und betete dem\u00fctig zu Gott, er m\u00f6ge ihn noch erleben lassen, was er hiermit bezwecke. So der erste Teil der Legende.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>28 Jahre sp\u00e4ter bekam der Priester von den Walddienern im Winter einen Baum als Brennholz zugewiesen, den der K\u00fcster abholen sollte. \u201eUnd ohne da\u00df jemand davon wusste, f\u00fcgte Gott, da\u00df ihm der Baum zuteil fiel, in den das heilige Sakrament versunken war\u201c, hei\u00dft es in der Legende. Vor Weihnachten verarbeitete der K\u00fcster einen Teil des Baumes zu Brennholz, aber ein gro\u00dfer Klotz blieb noch bis kurz vor Ostern am Haus des Pastors liegen. Als der K\u00fcster diesen zerkleinern wollte, brach er auseinander und ein Kreuz fiel heraus. Dieses Kreuz wurde in der Kirche aufgestellt. Schon bald kamen viele Pilgern, die von verschiedenen Krankheiten und Leiden geheilt wurden. So berichtet uns die \u00e4lteste Legende vom Kranenburger Kreuzwunder, die wohl um 1400 aufgezeichnet wurde.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00dcber die Kranenburger Wallfahrt w\u00e4hrend des 14. Jahrhunderts wei\u00df man kaum etwas. 1308 war den Besuchern der Kirche ein Ablass versprochen worden \u2013 vielleicht um die einsetzende Kreuzverehrung zu f\u00f6rdern. Sp\u00e4testens 1370 gab es dort einen Kreuzaltar, und seit 1383 wird das Kranenburger Kreuz in den Quellen regelm\u00e4\u00dfig erw\u00e4hnt. Ihre gr\u00f6\u00dfte Bl\u00fctezeit erreichte die Wallfahrt in der ersten H\u00e4lfte des 15. Jahrhunderts. Die Klever Grafen und Herz\u00f6ge f\u00f6rderten die Kreuzverehrung, und auch Mitglieder des geldrischen Herzogshauses pilgerten nach Kranenburg. Die Gl\u00e4ubigen stifteten der Kirche so viel Geld, dass um 1400 der Bau eines neuen Gotteshauses begonnen werden konnte. Wenige Jahre sp\u00e4ter holte man einen bedeutenden Baumeister nach Kranenburg, der die Pl\u00e4ne f\u00fcr den gro\u00dfen Kirchenneubau ausarbeitete: Meister Gisbert Schairt aus Zaltbommel, der auch am Xantener Dom und der Stevenskerk in Nimwegen t\u00e4tig war. In den Jahrzehnten bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts entstand die Kranenburger Kirche so, wie sie heute noch steht. Nur der Turm wurde im Mittelalter nicht mehr vollendet und erhielt erst \u00fcber 450 Jahre sp\u00e4ter seine charakteristische Schieferhaube. Man kann sich gut vorstellen, wie das Wallfahrtsleben und der Kirchenbau die Wirtschaft des St\u00e4dtchens befl\u00fcgelten: Die Pilger ben\u00f6tigten Unterk\u00fcnfte und Verpflegung und nahmen wohl gelegentlich auch Andenken aus Kranenburg mit; besonders beliebt waren Pilgerabzeichen, auf denen die Legende von der Auffindung des Kreuzes dargestellt war. Die Baustelle der Kirche lockte hochqualifizierte Handwerker in den Ort und verschaffte auch den alteingesessenen Kranenburgern Arbeitspl\u00e4tze. Und nicht zuletzt f\u00fchlten sich auch die Kanoniker des Zyfflicher Martinsstiftes von der reichen Kirche in der aufstrebenden Stadt angezogen. 1436 verlie\u00dfen sie das Dorf und zogen \u2013 unterst\u00fctzt vom Klever Herzog \u2013 nach Kranenburg um.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Aber die Bl\u00fctezeit war nicht von allzu langer Dauer. Zwar schuf noch 1474 einer der bedeutendsten Glockengie\u00dfer seiner Zeit, Gerard de Wou, eine gro\u00dfe Glocke f\u00fcr die Kranenburger Kirche. F\u00fcr den Ausbau des Turmes reichten die geringer werdenden Spendengelder aber nicht mehr. Das St\u00e4dtchen verarmte in der zweiten H\u00e4lfte des 15.\u00a0Jahrhunderts durch mehrere Stadtbr\u00e4nde und verlor f\u00fcr die Pilger an Attraktivit\u00e4t. Andere Wallfahrtsorte machten dem Kranenburger Kreuz Konkurrenz, beispielsweise Marienbaum bei Xanten, und ganz besonders Kevelaer, das seit einer Marienerscheinung 1639 gro\u00dfe Scharen von Gl\u00e4ubigen anzog. Immerhin blieb Kranenburg ein religi\u00f6ses Zentrum f\u00fcr viele niederl\u00e4ndische Katholiken aus der Umgebung von Nimwegen, die es in ihrer stark vom reformierten Glauben gepr\u00e4gten Heimat nicht leicht hatten, ihre Religion auszu\u00fcben.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auch von ihrem neuen Landesherren, dem Kurf\u00fcrsten von Brandenburg, hatten die Kranenburger keine F\u00f6rderung der Kreuzwallfahrt zu erwarten. Da das Herrscherhaus der reformierten Konfession angeh\u00f6rte, war man vielmehr um eine F\u00f6rderung des Protestantismus bem\u00fcht. So wurde auch in Kranenburg 1648 eine evangelische Kirchengemeinde gegr\u00fcndet, deren Mitgliederzahl aber klein blieb.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Als die linksrheinischen Gebiete 1794 dem revolution\u00e4ren Frankreich angegliedert wurden, gestaltete sich die politische Wetterlage nicht gerade kirchenfreundlich. 1802 wurden fast alle Kl\u00f6ster s\u00e4kularisiert; das Martinsstift h\u00f6rte nach 800 Jahren auf zu bestehen, und auch der Katharinenkonvent in der M\u00fchlenstra\u00dfe wurde aufgel\u00f6st. Die Bistums- und Pfarrorganisation wurde eng an die staatlichen Strukturen gebunden. Das alte Erzbistum K\u00f6ln, zu dem Kranenburg geh\u00f6rt hatte, wurde aufgehoben; der f\u00fcr den Niederrhein zust\u00e4ndige Bischof sa\u00df nun in Aachen. Im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts entspannte sich die Lage aber allm\u00e4hlich, sodass das 500. Jubil\u00e4um der Auffindung des Kranenburger Kreuzes 1808 mit einer gro\u00dfen Festwoche gefeiert werden konnte.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit dem Wiener Kongress 1815 endete f\u00fcr Kranenburg das franz\u00f6sische Intermezzo, 1821 wurde der untere Niederrhein dem Bistum M\u00fcnster zugeordnet. Obwohl es st\u00e4ndig zu Reibereien zwischen dem preu\u00dfischen Staat und der katholischen Kirche kam, lebte das Kranenburger Wallfahrtswesen im 19. Jahrhundert wieder auf. Vor allem aus dem niederl\u00e4ndischen Raum sind sehr viele Wallfahrten bezeugt. Die Spendengelder der Pilger trugen dazu bei, dass ab etwa 1860 die \u00fcber lange Zeit vernachl\u00e4ssigte Kirche gr\u00fcndlich renoviert werden konnte. 1908 wurde die 600-Jahrfeier der Kreuzwallfahrt mit gro\u00dfem Aufwand begangen; der Prozessionsweg durch die Stadt war mit Triumphb\u00f6gen und unz\u00e4hligen Fahnen und Girlanden geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p>Wenige Jahrzehnte sp\u00e4ter war das Wallfahrtswesen den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurden Prozessionen durch den Ort untersagt. W\u00e4hrend die Gemeinde am Kreuzerh\u00f6hungssonntag 1944 das Hochamt feierte, erlebte Kranenburg seinen ersten Luftangriff. Wenige Wochen sp\u00e4ter musste die Bev\u00f6lkerung den Ort verlassen, das Wundert\u00e4tige Kreuz wurde nach Kalkar in Sicherheit gebracht, die Kirche sank in Tr\u00fcmmer.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr des Kreuzes nach Kranenburg Ende August 1945 galt den Menschen als Hoffnungszeichen in einer schweren Zeit. Zum Kreuzerh\u00f6hungsfest kam auch der \u201eL\u00f6we von M\u00fcnster\u201c, Bischof von Galen, an den Niederrhein. Erstmals seit 1938 konnte die Prozession wieder durch den Ort ziehen. H\u00f6hepunkte des Wallfahrtslebens waren das Heilige Jahr 1950, in dem das Kranenburger Kreuz durch alle Pfarren des Dekanates Kleve getragen wurde, und die 650-Jahrfeier der Kreuzwallfahrt 1958.<\/p>\n<p>Seit 2003 erinnert dort, wo einst der Baum gestanden haben soll, aus dem das Kreuz heraus fiel, eine Basaltstele an die Legende, der sogenannte Heilig-Kreuz-Stock. Wenn man durch ein rundes Loch im Stein schaut, f\u00e4llt der Blick auf die Kirche im Ort.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man das s\u00fcdliche Seitenschiff der Kirche St. Peter und Paul in Kranenburg betritt, entdeckt man links neben dem Altar ein ruin\u00f6ses T\u00fcrmchen, das noch immer die Sch\u00e4den des Zweiten Weltkriegs tr\u00e4gt, und in dem T\u00fcrmchen: einen schlichten Holzkorpus. Die F\u00fc\u00dfe \u00fcbereinanderliegend, die Arme, von denen der rechte nur teilweise erhalten ist, weit ausgestreckt, den Kopf leicht nach vorne geneigt \u2013 das sogenannte Wundert\u00e4tige Kreuz von Kranenburg. Wenn wir der Legende glauben d\u00fcrfen, wird dieses Kreuzbild seit 1308 von Pilgern besucht; ab 1383 ist die Kreuzverehrung in Kranenburg historisch vielfach belegt.<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":14090,"template":"","destinations":[242],"class_list":["post-9410","poi","type-poi","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","destination-kirchen-kloester"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v19.6.1 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Stifts- und Wallfahrtskirche St. Peter und Paul - Stadt. Land. 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